Epiphanie
Posted on 5. Mai 2010
Wie Axe mir die Erleuchtung brachte
Als ich gestern morgen unter der Dusche stand und mir zum wiederholten mal gedankenverloren Duschgel in die Haare rieb, hatte ich eine Epiphanie. Nicht nur habe ich irgendwann bemerkt, dass mein Shampoo eigentlich nicht blau ist. Sondern unter Äußerung eines “d’oh”, “oh”, “Ouuuuuhhhhh!” kam mir folgende Eingebung. Was wäre – dachte ich mir-, was wäre wenn ich einfach mal aufhören würde ein Idiot zu sein. Easy now, kein Grund zur Panik, ich weiß das klingt drastisch und ja ich bin mir bewusst, dass das in den Ohren mancher wie eine Unmöglichkeit klingt (halt Dich zurück M-P!). Aber bitte, gebt mir die Chance mich zu erklären!
Künstler sein
Künstler zu sein bedingt ja automatisch, dass man ein Idiot ist. Da sind wir uns wohl alle einig. Denn wenn man kein Idiot wäre, hätte man von vorneherein etwas anständiges gelernt! Doch ich bin mir sicher, dass es auch unter Idioten Abstufungen gibt. Ich mein … Forrest Gump! Kim Peek! Gilles Tréhin! Oskar Lafontaine Guido Westerwelle for christ’s sake. Ein Idiot zu sein muss also nicht zwangsläufig bedeuten, dass man dumm ist. Oder sich dumm anstellt. Wobei ich aber genau das seit geraumer Zeit mache.
Denn mehr als die Hälfte meiner Zeit verbringe ich mit Dingen, die mir nichts bringen. Via Skype und E-Mail Kritik und Kommentare zu Bildern und Verträgen, zu Honoraren und Buchempfehlungen zu geben macht mir Spaß, aber leider leider kostet mich das einiges. Vor allem Zeit. Ich könnte damit aufhören, aber das will ich gar nicht. Deswegen hört jetzt bloß nicht auf mich Sachen zu fragen, nur weil ihr das hier gelesen habt! Ich brauch doch irgendeine Rechtfertigung vor mir selbst, warum ich mir jeden Monat Bücher kaufe und soviel Zeit mit Lesen auch im Internet verbringe. Und ein klitzeganzminimarginalkleinwenig ist es ja auch schmeichelhaft, wenn man um seine Meinung gefragt wird. Aber das ist absolut, ganz und gänzlich vernachlässigbar für meine Überlegungen! Raubritterehrenwort.
Nein der Punkt an dem ich ansetzen kann und möchte, um mein Schaffen effizienter zu machen, ist ganz klar: “die Bilder”. Schaut euch den Blog an… im Grunde ist der komplette Bloginhalt für die Tonne! Ok da gibt es eine Hand voll Kunden die sich meinen Kram hier anschauen und durchlesen, aber dadurch kommt ja kein Job zustande. Denn meine Kunden sind eigentlich ausnahmslos alles furchtsame, unkreative, beschränkte und bei Unterbelastung vollkommen überbezahlte Werber (Hey Jo, Hallo Esther, Hola Marianne, .. ;D ). Selbst wenn sie mögen was sie hier sehen – und das ist sicher nicht immer der Fall -, die neue Sonderedition des VW Passats wird nunmal nicht mit stilexperimentellen Pornoillustrationen beworben. Was ich wirklich bedauerlich finde, aber so ist die grausame Realität.
Also was nun? Auf den Schweinekram verzichten, stilistischen Stillstand zelebrieren und den Kosmos Experimentierkasten eintüten und verstauen? I don’t think so. Aber irgendein neuer Rahmen muss her, denn so weitermachen wie bisher würde bedeuten.. nein geht nicht.
Da mir selbst gerade auffällt, dass ich es nicht beherrsche meine Ausführungen trotz Zynismus auf den Punkt zu bringen, geht es jetzt zur Abwechslung mal weiter mit geringfügiger Ernsthaftigkeit:
Fakten
Werbung ist mein hassgeliebter Nährboden. Würde ich von jetzt auf gleich mit Werbejobs aufhören, hätte das den Gang zur Arge zur Folge. Meine Einnahmen aus Print-, Sympathiefigurenzeichnen etc. sind vernachlässigbar.
Ich bin also trotz stilistischer Vielfalt und Flexiblität, eindeutig Einbeinig aufgestellt. Das ist unvernünftig aber nicht tragisch solange aus der Werbung die Jobs kommen.
Die einzige nicht unmittelbar zeichnerische Fähigkeit die ich zumindest theoretisch auf ein entgeltungswürdiges Niveau ausgebildet habe, ist die Vermittlung von Zeichentheorie. Das ist aber lediglich eine Vermutung basierend darauf,dass ich immer mal wieder um Rat, Tipps und Hinweise gefragt werde. Den ich dann gratis gebe. Schlecht? Zumindest aus marktwirtschaftlicher Sicht ja. Ich bin ja nicht bei google angestellt.
50-70% der eigentlich für Arbeit vorgesehene Zeit zur Aneignung und Vermittlung von Wissen in Wort und Bild aufzuwenden, ohne dafür in unmittelbarem Zusammenhang entlohnt zu werden, ist definitiv nicht wirtschaftlich.
Wege
Ich investiere alle verfügbare Zeit nur noch in Werbung (Storyboards, Layouts etc.) und baue mein Portfolio dahingehend so gut aus, dass auch die einseitige Aufstellung kein Problem mehr darstellt. Das ist keine Option für mich, da mir Werbejobs nicht ausreichen um mich kreativ auszutoben. Natürlich finde ich auch in Storyboards Herausforderungen und setze mir Ziele, aber “nur” Storyboards zu machen würde mich bald auslaugen.
Ich könnte eine Festanstellung anstreben, die Möglichkeit gäbe es auch im Storyboard-Bereich. Allerdings zu Konditionen die “Planungssicherheit” mit “Ausbeutung” gleichstellen. Außerdem würde eine Festanstellung bedeuten, dass ich die Dinge die ich derzeit nebenher mache, einstellen müsste.
Ich könnte in die Lehre gehen, eine Dozentenstelle und langfristig eine Professur anstreben. Diese Überlegung trage ich schon seit langer Zeit mit mir umher. Ich bin allerdings noch nicht solange aus dem Studium raus, als dass ich mich nicht noch daran erinnern könnte wie sehr ich mich über Dozenten/Professoren aufgeregt habe, die keine bis kaum (aktuelle) Praxiserfahrung haben. Es mag ein Fehler sein, doch bevor ich nicht ich mehr Erfahrungswerte gesammelt habe, ist eine Lehrtätigkeit irgendwie irrsinnig und für die Studenten/Schüler nicht förderlich.
Ich könnte mein Portfolio auf ein weiteres Anwendungsgebiet hin verändern. Also in der nächsten Zeit vermehrt Illustrationen zugeschustert auf den Verwendungszweck Buchillustration, Editorial, Livezeichnen oder ähnliches anfertigen und parallel zur Werbe-Akquise in diesen Bereichen Kundenwerbung betreiben. Das ist eine Option die ich nicht ausschließen möchte, denn bei meinen sonst zwecklos entstehenden Illustrationen ist ja hin und wieder bereits etwas dabei, was mehr oder weniger in eine Schublade zugesteckt werden könnte. Doch mein Problem damit ist, dass die Zweckbindung automatisch eine gewisse Stilfixierung bedeutet. Der Markt für Fantasybuchcover erwartet einen gewissen Stil für seine Coverillustrationen, und entweder bedient man diese Erwartungen oder eben nicht. Bedient man sie nicht, dürfte man allerdings recht schnell aus dem Markt raus sind.
Durch die gerade ausgeführten Auswege, konkretisiert sich mehr und mehr das eigentliche Ziel:
Nämlich bei möglichst großer kreativer Freiheit dem Standbein “Werbung” ein weiteres Bein dazuzugesellen, welches langfristig gesehen zur die Wirtschaftlichkeit meines Schaffens erhöht und mein Auskommen absichert.
Oder anders formuliert: Es soll möglichst so bleiben wie es ist, nur will ich Geld damit verdienen.
und Lösung(en)
Ich geh in Druck. Nein ich verfalle nicht zurück in den Zynismus vom Anfang. Es ist mein Ernst. Das ist meine Lösung.
Spätestens mit der Einführung des iPads, sind Bücher ein aussterbendes Relikt – denken viele. Ich stimme insoweit überein, dass die Digitalisierung von Konsumgütern (Filme, Musik) auch vor Büchern nicht halt machen wird, vor allem wenn – aber das muss sich noch zeigen – mit dem iPad möglicherweise eine alltagstaugliche Konsumform gefunden wurde und etabliert werden wird. Meine Entscheidung meine Lösung mit “Ich geh in Druck” zu betiteln beruht auf verschiedenen Statistiken/Erhebungen aus den USA zum Thema Rentabilität digitaler Musikabverkäufe für die Künstler. Optisch hübsch aufbereitet könnt ihr euch das bei Informationisbeautiful anschauen.
Ich bin mir darüber im Klaren, dass sich die Situation von Musikern nicht auf bildende Künstler übertragen lässt. Der größte und schwerwiegendste Unterschied dürfte sein, dass kein Normal-Bürger sich Einzelbilder bei itunes kaufen würde, selbst wenn es sie gäbe. Bilder werden entweder als Kunst, oder nur in oder für einen Kontext gekauft. Den Kunstmarkt mal außen vor gelassen, muss damit ich den Normal-Bürger als Kunden gewinnen kann, also ein Kontext her. Und da Bild/Text trotz iPads ein aktiv zu konsumierendes Gut bleibt, sind die rentabilitätsversprechende Verkaufszahlen für den bildenden Künstler wohl eher noch schwieriger zu erreichen als für den Musiker.
Rein emotional ohne dafür jedoch Nachweis zu haben, glaube ich allerdings, dass es leichter ist für ein finanzielles Zubrot monatliche Buchabsätze von bis zu 150 Exemplaren zu erreichen, als Monat für Monat digital 1200 Ausgaben zu verkaufen.
Allerdings nur wenn man sich nicht auf den nationalen Markt beschränkt.
Und, wenn man mehr als nur ein Buch zum Verkauf hat.
Der Selbstverlag (mein Vater wird den Part lieben!)
Es gab gerade mit Einführung des BookOnDemand-Prinzips massig Diskussionen um die Sinnhaftigkeit und das Stehvermögen von Kleinst- und Selbstverlagen. Diese Diskussion will ich hier nicht wiederholen. Wer sich dafür interessiert, dem wird jede Suchmaschine weiterhelfen können.
Der Selbstverlag macht für mich aus folgendem Grund Sinn, wobei meine Begründung und das muss ich eingestehen, nicht wirklich dem Wirtschaftlichkeits-Gedanken entspringt:
Kreative und vertragliche Vorgaben und Einschränkungen durch den Verwerter – etablierten Verlag.
Ein bereits etablierter Verlag hat und das ist klar, vor allem seine eigene Wirtschaftlichkeit zum Ziel und Zweck. Um diesem Ziel gerecht zu werden, werden Illustratoren und Autoren Verträge vorgelegt, die teilweise nicht weit von der Sittenwidrigkeit entfernt sind. Ich verstehe den Sinn (Einkommenssicherung und -maximierung) solcher Verträge für die Verlage, aber mein Verständnis von guter “Zusammenarbeit” sieht einfach anders aus. Und ich lasse mir auch nicht für einen Apfel und ein Ei die Bearbeitungsrechte für mein Schaffen abnehmen. Was wenn man manche Verträge liest, auch das Sorgerecht für die eigenen Kinder beinhalten könnte.
Die Verlagsstrukturen bedingen, dass ich trotz aller Zusicherungen immer Vorgaben zu erfüllen habe. Der Verlag möchte natürlich und verständlicherweise größtmögliche Sicherheit haben. Das bedeutet auch, dass sie schon vor Anfertigung der Bilder möglichst genau das Ergebnis absehen können möchten. Format-/Layout-/ oder gar Stil-Experiment? Egal was für ein Experiment es für den Künstler sein soll, für den Verlag ist es defintiv ein Experiment zu viel.
Ganz zu schweigen davon, dass der Verlag mir als Künstler fachfremde Personen vorsetzt, die teilweise meine Expertise mit hahnebüchenen “Ich habs meiner Tochter gezeigt, und die findet…”-Kommentaren abtun. Hört man da den Verdruss raus”?
Bevor Oli falls er die Zeit findet diesen Text zu lesen, mir jetzt realitätsfremde Romantisierung vorwirft: Ich fordere nicht, dass sich die Verlagsstrukturen verändern (außer in Hinsicht auf die Vertragskonditionen), ich führe nur auf, warum für mich die Zusammenarbeit mit Verlagen nicht als Weg gesehen wird, um aus meinem bis jetzt zwecklosen, unterschiedlichen Schaffen ein Einkommen zu generieren. Ich schließe auch nicht die Zusammenarbeit mit Verlagen für deren Projekte und unter deren Vorgaben (wobei wir über die Verträge dann vermutlich noch reden müssen) aus! Aber wenn ich mit dem was ich jetzt schon mache Geld verdienen möchte, dann muss ich dafür selbst den weiteren Vertriebsweg schaffen.
Was bedeutet das konkret für mich
Wie ich bereits sagte, werden Bilder (außer in Form von Kunst, oder von Künstlern) eigentlich nur in einem Kontext konsumiert. Das bedeutet für mich also, dass ich weniger sinnfreie Einzelbilder produzieren darf, sondern Ihnen nach Möglichkeit einen Text zur Seite stelle. Genauer: (Kurz-)Geschichten.
Ich glaube ich habe mich bereits mehrfach darüber ausgelassen, dass ich ein miserabler Autor bin. Dementsprechend werden erstmal sicher keine literarischen Perlen entstehen, aber egal wie die Geschichte sein wird, sie wird überhaupt mal da sein. Was mehr ist, als jetzt der Fall ist.
Den Anfang meines Vorhabens macht “Kisali” wovon ich gestern bereits zwei Bilder gezeichnet & gezeigt habe. Allerdings habe ich im Anschluss an diese beiden Bilder die fehlende Systematik in meinem Vorgehen bemerkt, weshalb ich als nächstes aus meinen Gedankenfragmenten zunächst versuchen werde, die Geschichte zu zuschreiben. Anhand der Kurzgeschichte werde ich dann erst die Illustrationen und die Form der Illustrationen zu bestimmen. Und dann gehts damit weiter.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher darüber, wie viel des Entstehungsprozesses ich hier mitteilen soll und wieviel ihr bevor eine Geschichte “fertig” ist, ihr davon überhaupt sehen möchtet. Deswegen würde ich mich über jedes Feedback zu dem Thema und natürlich auch zu allem anderen, zuvor hier jetzt lange vorgetragenen, freuen. Egal ob per Skype, Mail oder natürlich auch gerne über die Kommentarfunktion!
Dieses Projekt ist work in progress. Aber immerhin ist es “progress”.
P.S.
Da egal wie lang der Text ist, ein P.S. immer gelesen wird. Hier nochmal in Kürze:
Ich hör nicht auf Pornokram zu machen. Meine anderen (nicht Auftragsbedingten) Bilder versuche ich aber in den Rahmen von Geschichten zu bringen. Die Geschichten will ich in irgendeiner Form selbst verlegen (Druck und/oder digital). Ist das Selbstmord? Was denkst Du? freue mich auf Feedback. Das wars. Bye.
Tja… klingt für mich auch wie eine Unmöglichkeit dass du n Iiot wärst…
Kennst mich ja
A ha. Du willst also Comics machen. Oder meinetwegen illustre Geschichten. Das wird die Spaß bringen, viel Arbeit und am Ende wahrscheinlich kein wirkliches Einkommen bringen. Das Problem istzist wie immer: Die Zeit die du da aufwendet wird nicht im gleichen Gegenzug entlohnt werden.
Sagen wir du arbeitest 3 Monate an einem Buch/Band/whatever. Wieviel Seiten hat das und wieviel wird es doch kosten das überhaupt herzustellen (Arbeit + Druck)? Du wirst halt keinen reellen Gegenwertpreis verlangen können und dann…ich weiss nicht wie es international ist, aber sagen wir 150 Stück verkaufste. Da müßtest du wirklich nen hohen Preis drauf schlagen um ein Einkommen zu haben.
Mach das, wenn es dir danach ist. Aber erwarte nicht mehr als ein Taschengeld.
Ach Fuck! Ich und Korrektur lesen = Kriegsfuß. Hoffe du verstehst es trotzdem.
bye Sascha
Verdammt, ich hatte am Ende des Textes schon stehen “Und bestimmt holt mich gleich Sascha auf den Boden der Comic-Zeichner-Realität” zurück.
Aber weißt Du, tief in mir drin bin ich immer noch der 16. jährige Träumer, der einst einen Gegen-Kommentar zu deiner negativen Bestandsaufnahme des deutschen Comic-Biz geschrieben hat. Da gab es erschreckend wenig Weiterentwicklung
Die Motivation
Ich spreche und plane zwar nicht von/mit Comics, aber ganz Ausschließen will ich sie jetzt erstmal nicht. Unzweifelhaft hast Du Recht, dass ich bei einem Comic(-Album) nur unwahrscheinlich einen Gewinn erwirtschaften könnte. Im besten Fall, bekomme ich die reinen Material-/Produktionskosten wieder raus. Und selbst das ist zweifelhaft.
Ich weiß auch, dass ich außer vielleicht ich würde diese Idee 20 Jahre lang verfolgen und so eine enorme Backlist erarbeiten die auch noch kontinuierlich ver-/gekauft würde, kaum auf die zum Überleben erforderlichen Stundensätze/Arbeitsaufwandsentgelte kommen werde.
Aber das ist – wobei ich das vermutlich nicht gut genug beschrieben hatte – auch gar nicht mein Ziel.
Ich kann von Storyboards, Layouts, Animatics etc. leben. Ich “brauche” nicht zwangsläufig zusätzliche Einkommen. Aber es wäre ja ganz praktisch, wenn das was ich neben Storyboards tue, trotzdem Geld abwirft. Zumindest ein wenig. Ein Taschengeld, wenn Du es so nennen möchtest, reicht vollkommen.
Zeichne ich vor mich hin und produziere Sinn- und Zwecklosen Kram der außerhalb dieses Blogs nie gesehen wird und bekomme nichts dafür. Oder zeichne und produziere ich Bilder die in Form von kleinen Büchern (und ebooks) einem Publikum zugänglich gemacht werden können, die möglicherweise ein wenig Geld einbringen und die darüber hinaus, möglichererweise und sogar vermutlich, weit besseren Werbeeffekt haben als dieser Blog.
Mathe
Die Zahlen tun weh. Das weißt Du mindestens so gut wie ich, wenn nicht noch besser durch deine Erfahrungen bei/mit Zwerch.
Die Produktionskosten ohne Artsyfartsy-Kram für ein 48seitiges(was ja noch nicht viel ist) Din A5 Hardcover-Buch liegen bei mindestens 1000€.
Erst bei einer Auflage von 750Stück kommen wir in den Niedrigstückpreisbereich von <4€ Produktionskosten pro Exemplar bei ca. 2500€ Gesamtdruckproduktionskosten.
Aber 750 Bücher zu verkaufen ist schon sehr schwierig ohne in den normalen Buchhandel/Amazon zu gehen, wenn man nicht zufälligerweise zum Youtube-Phänomen-Internet-Hype wird.
Hier mal die Liste wie hoch der Einzelpreis mindestens sein müsste, um nach einer bestimmten Anzahl verkaufter Exemplare den Break-Even-Point zu erreichen (ohne die eigentlichen Arbeitskosten eingerechnet zu haben):
BEP nach 100: 25€/Exemplar
BEP nach 150: 17€
BEP nach 200: 12,5€
BEP nach 250: 10€
BEP nach 300: 8,50€
BEP nach 350: 7,50€
BEP nach 400: 6,25€
BEP nach 500: 5€
Berechne ich einen vollen Monat Arbeitszeit für das Buch (6500€ Monatseinkommensziel), verändert sich meine Rechnung folgendermaßen:
BEP nach 100: 90€/Exemplar
BEP nach 150: 60€
BEP nach 200: 45€
BEP nach 250: 36€
BEP nach 300: 30€
BEP nach 350: 26€
BEP nach 400: 22,5€
BEP nach 500: 18€
BEP nach 750(ganze Auflage): 12€
Um nach Einrechnung des Arbeitsaufwandes von einem Monat auf einen Stückpreis von unter 5€ zu kommen, müsste ich etwas weniger als 2500 Exemplare verkaufen.
Wobei dann wiederrum Lagerkosten dazukämen und das Ergebnis entsprechend beeinflussen würden.Ausgehend von der Bestellung einer 3000er Auflage zum Preis von 4500€.
And so on. Ich will die Rechnung nicht für alle möglichen Stückzahlen/Eventualitäten weitertreiben.
Mutmaßung
Ich rate mal ins blaue hinein, dass der Absatz von 200 Exemplaren international an Illustrationsbegeisterte und Bibliophile – gutes Layout/Gestaltung vorrausgesetzt – machbar ist. Allerdings sind wir uns beide einig, dass das nicht zum Preis von 45€/Exemplar passieren wird. 15€, maximal. Und dann muss es schon rocken.
Dann würde ich gerade mal 500€ Gewinn machen. Was immerhin 500€ mehr wären, als ich jetzt mit meiner Freizeitbeschäftigungszeichnerei mache. Und das im Laufe der Zeit mal noch das ein oder andere Exemplar den Besitzer wechselt, ist ja nicht ausgeschlossen.
Soviel (im wahrsten Sinne des Wortes) von mir mal wieder.
Ja, Schande über mich. Es hat sich echt nicht viel weiter entwickelt.
Aber weißte was meine Meinung generell ist: tu’s wenn es dir danach verlangt. Die ganze Comiczeit hat mich, finanziell gesehen eher Geld gekostet, ABER auf der anderen Seite habe ich so viel gewonnen. Bekanntschaften und Freunde (Zwerchfell ist echt meine Zweitfamilie und dich will ich irgendwann auch nochmal wieder treffen) und mein Gott, es war auch nicht immer so das ich nie Geld bekommen hätte. Am Ende habe ich sogar einen Job mit Comicbezug gehabt der mich lange Zeit gut genährt hat (aber das geht dann halt nich mit Zwerchfel und Indie und so). Also so isses nicht.
Kurzum: ich hab da ganz viel rausgezogen und das hat mein Leben weitaus positiver verändert als irgendwelches Geld es je gekonnt hätte. Gut, heute weiß ich das die Balance bei mir da nicht so gestimmt hat bezüglich kommerziell-ideell. Aber bei dir sieht das ja ganz anders aus.
Und ich finde den Gedanken auch nicht schlecht einfach mal alles in etwas rein zu tun, also nicht formlos im Blog rumzualbern, sondern zu wissen “das ist jetzt für was”. Das erzeugt positiven Druck, weil du weißt du hast niemanden der dir im Weg steht, du weißt du machst es für dich und für andere die sich daran später erfreuen können. Und das kitzelt ja dann doch immer das Beste aus uns zickigen Künstlerseelen raus. Und sowieso.. Backlist… wenn du damit nie anfängst, kannste natürlich auch keine aufbauen.
Aber wie du erwähntest Lagerkosten! Beim Z war die ganze zeitlang mal ein running gag das wir bald aufhören müssen, weil niemand mehr Platz im Keller hat. Ich würde erstmal ne kleine Auflage drucken. Vor allem wenn du das on Demand machst, dann ist das ja eh kein Ding. Und dann siehste was drin ist. Vielleicht findest du auch raus, wie du das besser vermarkten kannst etc. Das Internet ist da heute ja schon weiter als damals.
Wie gesagt das ist ne gute Sachen für dich als Mensch und Künstler (mehr Wert als alles) und n paar Kröten werden mit n bissel Glück auch bei rumkommen. Ich wollte nur kurz erwähnen das Geld halt nicht so hoch gehängt werden sollte, bei solchen Sachen.
Und ich bin mr zusätzlich sicher das dich dein Buch (die Bücher) an Orte bringen werden, mit denen du vorher nicht gerechnet hättest. Ganz unabhängig davon ob du dein Taschengeld rausbekommst oder nicht.
Go for it! Und viel Spaß dabei!
bye Sascha
PS: Na n bissel hat sich dann doch getan, oder?
Ach so.. ganz ohne konkretes sollte ich das alles nicht stehen lassen. Ich kenne keine internationalen Zahlen, aber als Comicverlag aus Deutschland kalkuliert man mit einem Jahresabverkauf von 300 Stück. Kann auch mal 200 sein oder 500, je nachdem.
– das beste Berufs-/Projektauswahlkriterium ist und bleibt “go for geil”.
lbr could somebody sum it up for me?
hey neeh – morgen führe ich mir das hier nochmal ausführlich zu gemüte und sage aber schon jetze: lass aber auch man ein paar ausstellungen noch auf die beine stellen alter!
Und wieder einer, der eingesehen hat, dass kreatives Söldnertum in die Sackgasse führt und sich dazu entschließt, in Richtung Autorentum aufzubrechen! Willkommen im Club!
Deinen Ansatz mit der Buchveröffentlichung finde ich allerdings ein bißchen phantasielos. Das hat man gemacht, als es noch keine Alternativen gab! Überleg mal, wie wenig Leute Du mit einer Buchveröffentlichung nur erreichst und was für Barrieren Du über den hohen Preis aufbaust! Hehe, aber ich sehe das vermutlich nicht ganz objektiv.
Ich würde mich liebend gerne mal intensiver mit Dir über das Thema unterhalten und stand hier sogar schon in den Startlöchern, einen ellenlangen Text zu schreiben. Aber zwischen Job und privaten Projekten bleibt halt kaum noch Zeit für sowas.
Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch zur Erkenntnis und auch schonmal viel Erfolg bei der Wahl Deines Weges!
Sascha
Das Gute an Geld ist, irgendwoher kommt immer neues. Vielleicht nicht so viel, vielleicht ist für geraume Zeit Reis- und Nudeltage angesagt, aber was solls. Wie Du schon sagst, man bekommt durch solche Projekte einen (emotionalen) Gegenwert, der sich nicht in Geld bemessen lässt.
Was aber nicht bedeutet, dass man Luft & Liebe zur Lebensgrundlage machen sollte. Aber das meinst Du vermutlich, mit Balance.
Danke auch für die Abverkaufszahlen für Comics. Das ist schonmal eine wenn auch nicht allzuhohe Zahl. Ich werde mich da natürlich auch in Erlangen – wo Du vielleicht auch sein wirst? – mit einigen anderen zusammensetzen um mich auszutauschen. Zumindest Erfahrungswerte aus dem deutschsprachigen Raum zu bekommen, ist ja recht einfach. Wobei ich mich ja nicht darauf beschränken werde. Aber das geht dann in den Bereich Marketing, wo ich gerade über einiges nachdenke aber noch kein spruchreifes Konzept vorliegen habe.
Thorsten:
haha, indeed. Hätte ich viel früher wissen & berücksichtigen sollen!
Till:
Yeah mann, machen wir.
Daniel
Na von Dir werde ich natürlich gerne willkommen geheißen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob wir auf dem gleichen Stockwerk sind/sein werden
Oh keine Sorge, Buchform ist ein Weg der Veröffentlichung, andere Wege sind nicht ausgeschlossen. Ich gedenke da durchaus die Möglichkeiten digitalen Konsums auszuschöpfen, aber was das angeht, habe ich noch eine Denkarbeit zu leisten. An einem Austausch bin ich aber immer interessiert! Gerne auch per Telefon oder mal wieder bei nem Treffen. Nur nicht in den nächsten 6 Tagen. Da werde ich neben Arbeit nur noch schlafen können.
Danke jedenfalls für das Willkommen, die Glückwünsche und Dir auch viel Erfolg. Der Dir ja jetzt schon sicher ist
Boah Dreck. Unmöglich jetzt alles zu lesen, gerade auch, was in den Comments geschrieben wurde, aber ich setze mich mal zu Daniel ins Boot und behaupte: Schön, dass dir das Söldnern auch nicht reicht – Mir geht’s schon das ganze Leben so, weshalb ich da ja auch so miserabel bin. Hmm, wobei mir gerade auffällt, dass du soeben zum meinem Duschgel avanciert bist. Quasi.
Anyway. Lass uns da beizeiten noch einmal drüber schnacken, mir fallen spontan noch ein paar Anregungen ein, mainly in Richtung hol dir nen Autoren dazu, bzw. ich finde die Idee der Ausstellung immer noch recht interessant.
Schau’n mer mal. Und der Nebenbei-Querlesen-Quatsch und das Hilfestellung-Geben-Zeugs ist extrem wertvoll, wenn du interdisziplinär unterwegs bist… merke ich gerade in meinem Job. Für Werbung alleine natürlich tatsächlich Zeitverschwendung, aber dafür bist du eh zu wenig Ameise (und Idiot, jaja, das wolltest du doch hören
Ach ja. Rein usability-technisch gehört am Ende eines Beitrags ein Button/Link zum Kommentieren, zumindest bei Monsterdingern wie diesem. Extra nach oben scrollen saugt.
Ich bin mir nicht sicher ob ich das alles richtig verstanden habe aber
wieso noch drucken? Downloads anbieten scheint mir heute wirtschaftlicher.
Nicht schöner aber praktischer. Vielleicht eine Art bezahlter Newsletter für Deine ‘Fans’?
Und das obwohl ich immernoch CDs in scheibenform kaufe.
Grüße (PS, wir arbeiten an der 7-!)
Ich hab zwar keine Ahnung wie ich eigentlich hierher gekommen bin aber da ich den Post nun vollständig gelesen hab und ihn sehr interessant finde lasse ich dir als Idiot vom gleichen Fach meine Meinung da.
Ich hab den Selbstverlag auch mal angedacht, sogar recht weit durchdacht, und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich für die wenigsten lohnen wird.
Bei anderen Projektformen wie zum Beispiel Spielen wird das ähnlich sein, vorausgesetzt sie haben mehr Umfang als ein T-Shirtdesign.
Alleine um die Unkosten+aufgewendete Zeit (Gewinn außen vor gelassen) wieder reinzubringen brauchst du eine recht hohe Absatzzahl. Die wirst du vermutlich aber nur erreichen wenn du mit gefräßigen und gewinnschmälernden Unterhändlern zusammenarbeitest oder dich bekannt machst. Wahnsinnig bekannt. Bist du das? (Weiß das nicht, bin das erste Mal auf deiner Seite)
Wenn nicht brauchst du nicht nur Medienkompetenz und nen gewissen Grad an Gerissenheit sondern auch Zeit. Wenn du die dann noch in die Gewinnrechnung miteinrechnest, dann gute Nacht
Nichtsdestotrotz hab ich mir für mich vorgenommen das aus Spaß an der Freude nebenher einfach mal auszuprobieren, und wenn ich am Ende nicht um Euronen sondern nur um Erfahrung reicher sein sollte. Wie du schon sagst, wir sind ja alle irgendwie Idioten.
Raphael:
Mit dem Kommentar-Button hast Du absolut recht. Ich werde das demnächst mal angehen!
Über die Kooperation mit Autoren habe ich auch schon nachgedacht, würde ich auch gerne. Allerdings stelle ich mir da wieder selbst ein Bein. Denn ich möchte für ein Projekt dass auch nur ansatzweise oder theoretisch als “professionelle Arbeit” zu sehen ist, angenommene Leistungen bezahlen. Lasse ich Bücher drucken, dann bekommt der Drucker auch sein Geld. Selbiges sollte ebenfalls für den Autoren gelten. Ich sehe außerdem keinen Grund, warum der Autor für seine kreative Leistung weniger gut bezahlt werden sollte, als z.B. ich für meinen Part. Nur weiß ich dann auch, dass ich ihn nicht bezahlen kann.
Selbst ausgehend von Magazin-Zeilenhonoraren für nicht wirklich kreative Inhalte oder gar den Magazin-Seitenpreisen für freie Autoren, muss ich mindestens 2000€ Honorar für den Schreiber ausgeben.
Insofern werde ich mich in meiner “Freizeit” selber dran versuchen und einen freien Autoren evtl. beratend engagieren. Darüber muss ich mir noch mehr Gedanken machen.
Anja:
Textlastige Bezahlinhalte haben – das wird sich vielleicht mit dem iPad ändern, wer weiß – es immer noch schwer. Allerdings habe ich dazu keine aktuelleren Studien/Statistiken als von 2005 gelesen, vielleicht hat sich auch so schon etwas geändert.
Die Bereitschaft für einen Text zu zahlen nimmt mit dem Alter des Konsumenten, dem Bildungsstand und der inhaltlichen “Exklusivität” zu. Überspitzt formuliert würde es sich rentieren nischenwissenschaftliche Abhandlungen 50jährigen Akademikern zum Download-Kauf anzubieten. Verschwörungsthesen verkaufen sich wohl auch ganz gut (obwohl es die doch auch zu Hauf für lau im Netz gibt), zusammen mit ausführlichen Produkttests.
Das Bezahlsystem könnte – denke ich – auch funktionieren, wenn ich Comicstrips oder illustrierte Kurzgeschichten in hoher Frequenz bereitstellen könnte. D.h. mehrmals pro Woche update und eine Community aufbaue.
Und und und…
damit kommen wir wieder in den Bereich des Marketings.
Ju:
Das erste Mal hier herkommen und gleich miese Laune verbreiten, da das hab ich gerne
Danke für deine Anmerkungen!
Ich wünschte ich könnte gegen deinen Einwand, dass mit eingerechnetem Zeitaufwand für Verkauf/Versand/Marketing kaum Gewinn erwirtschaftet werden kann, etwas entgegensetzen. Aber dafür fehlen mir (noch) die Erfahrungswerte. Mehr als fiktive Zahlenspiele könnte ich beim jetzigen Stand nicht aufbringen.
Ich hoffe aber, dass der Austausch mit anderen Selbstverlegern bzw. Kleinverlagsbetreibern auf dem Comic Salon Erlangen mir einen besseren Überblick darüber verschaffen wird, wieviel Zeit & Aufwand für die verschiedenen Teile des Selbstverlages aufzubringen ist. Was dabei rauskommt werde ich natürlich auch wieder hier von mir geben.
Ich wäre auch sehr an deinen Zahlenspielen, Erfahrungen und Eindrücken interessiert, wenn Du schon die ersten Schritte in Richtung Selbstverlag gemacht hast. Entweder hier, per Mail, per Tele oder aufn Getränk in der City.
Im Falle des mit einem Autoren arbeiten kannst du dich mit ihm darauf verständigen, dass er Anteile vom verkauften kriegt und am Anfang genauso wie du in Projekt buttern muss. Ist ja nicht so als wären die Rentabilitätsaussichten so vorhersagbar, dass du den mal im Voraus bezahlen könntest.
Es sei denn natürlich du willst gar nicht, dass er kreatives Mitspracherecht von Anfang an hat, bzw. entsprechend am Erlös beteiligt wird…
Die von mir veranschlagten 2000€+ sind lediglich das Arbeitsaufwandsentgelt.
Hinzu kommt nochmal die entsprechende Vergütung für Nutzungsrechte (die ich noch nicht absehen kann, da ich mir noch nicht genügend Gedanken über Vertriebswege und damit auch über die realistisch erscheinenden Absatzzahlen gemacht habe).
Es ist bei Büchern zumindest, ohnehin üblich über Tantiemen die Urheber zusätzlich zu bezahlen. Leider ist es sofern ich die Branche überblicken kann – bei Autoren kenn ich mich nicht wirklich aus – sogar so, dass eine angemessene Vergütung wenn überhaupt erst durch die Tantiemen erreicht wird.
Nichtsdestotrotz werde ich die Zusammenarbeit mit Autoren weiter im Hinterkopf behalten. Vor allem weil ich das Gefühl bekomme, dass ich mir mit meinen gerade alles-durch-rechnenden-Gedanken nur ein Bein stelle.