Gerd Grimm im mkg-Hamburg
Posted on 21. Februar 2010
Dass Deutschlands letzter großer Illustrator nicht Wilhelm Busch war, belegt nicht nur Hans Bacher regelmäßig in seinem Blog sondern auch die Tatsache, dass es Ausstellungen wie diese gibt, die ich heute besucht habe:
Die neue Eleganz. Der Modezeichner Gerd Grimm
Gerd Grimm – nicht zu Verwechseln mit Gerhard Grimm – zeichnete, malte und illustrierte beinahe 60Jahre lang die schönen Damen dieser Welt.
Der Großteil dieser Frauenzeichnungen entstand als Illustrationen aktueller Mode für die sich zu der Zeit in Deutschland etablierenden Magazine “Die Dame”, “Elegante Welt” sowie die amerikanischen “Voque” und “Esquire”. Doch mit dem Siegeszug der Fotografie der natürlich auch vor den Modeillustrierten nicht halt machte, musste Grimm auf andere Bereiche ausweichen um mit seiner Kunst Geld zu verdienen. So entstanden dann unter anderem Werbeplakate für die Tabakmarke “Reval” und viele verschiedene Paperback-Cover.
Die Ausstellung zeigt laut Museumsflyer gut 150Zeichnungen von Grimm, was bei jemanden der über so lange Zeit kontinuierlich im Auftrag oder auch privat zeichnete, nur einen Bruchteil seines Schaffens darstellt. Doch ausgehend von dem wenigen was ich gesehen habe behaupte ich, dass Grimm ein Meister der eleganten Linienführung war. Ich weiß wie abgegriffen das Wort Eleganz in diesem Zusammenhang wirkt, doch ich halte es nicht nur wegen der thematischen Ausrichtung seiner Bilder für angebracht, sondern weil die dynamische, schwungvolle und zumeist dennoch prägnante Strich- und Pinselführung in seinen Zeichnungen genau diesen Eindruck bei mir hinterließ: Eleganz.
Mir fehlt der Überblick über den deutschen Illustrationsmarkt der 1920er – da begann Grimms Tätigkeit – bis zu seinem Tod 1998 – da war ich gerade in der 9. Klasse – und insofern kann ich seine Arbeit nicht in Vergleich mit den sonst in Deutschland produzierten Werken setzen, doch interessant fand ich die Ähnlichkeit sowohl was die formelhafte Ästhetisierung der Frau an sich, als auch der Zeichnung und die technische Ausführung der Zeichnung anbelangt, zu amerikanischen Illustratoren. Bei seinen Amerika Aufenthalten muss Grimm zwangsläufig mit dem amerikanischen Illustrationsmarkt in wechselseitigen Kontakt gekommen sein, insofern gehe ich davon aus dass er mit den Arbeiten von z.B. Coby Whitmore, Bernie Fuchs oder RobertMcGinnis in Berührung kam. Die Amerikanisierung des nachkriegsdeutschen Konummarktes wird ihr übriges für die Angleichung der Gebrauchskunstästhetik getan haben, weshalb ich und darauf gibt die Ausstellung leider keine Antwort, gerne wüsste wie sein Schaffen vor seinem ersten Amerika-Trip aussah und inwieweit konkret seine ersten Auslandsimpressionen Niederschlag fanden in seinem Schaffen.
Weit mehr und ausführlicher Auskunft für jeden Interessierten gibt die Internetseite der Grimm-Foundation, die zehn Jahre nach seinem Tod ins Leben gerufen wurde.
Einen Ausstellungskatalog oder eine andere, gedruckte Sammlung seines Schaffens habe ich leider nicht gefunden. Wenn also jemand weiß was woher, bitte bescheid geben.
Update 23.02.10: Wie mir Dirk Schindelbeck von der Grimm-Foundation auf E-Mail Nachfrage antwortete, gibt es leider (noch) keine Publikation über Gerd Grimm und seine Arbeiten. Sollte sich das ändern werde ich das natürlich hier mitteilen.
Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg ist über diese Sonderausstellung hinaus auch zu empfehlen. Es laufen parallel die Ausstellung “Nude Visions” zum Thema Nackt/Menschenfotografie, was zwar inhaltlich soweit ich das sehe nichts neues ist, aber vom Publikum immer wieder gesehen wird – und wovon bei mir lediglich ein Name, nämlich Anne W. Brigman hängen geblieben ist, – und eine Ausstellung über Ikea. Außerdem gibt es eine asiatische Sammlung wovon ich mir vor allem die zwei Räume mit japanischen Farbholzschnitten anschaute und noch einiges anderes Querbeet.
Als negativ muss ich anmerken, dass mir untersagt wurde zu zeichnen. Das führte zu einer gut 20minütigen Diskussion mit dem Garderobiere/Mitarbeiter im Foyer die aber nichts daran änderte, dass ich neben Jacke und Tasche auch mein Skizzenbuch und Stifte an der Garderobe abgeben musste. Das verkürzte meinen Museumsaufenthalt natürlich ungemein.
Und Fotografieren durfte man noch viel weniger.







Als ich dann meine Sachen wieder abholte, entschuldigte man sich aber bei mir mehrfach und ließ mich wissen, dass Zeichnen doch in Ordnung ist.
Danke! Aber heute nicht mehr.
Wir müssen eine Exkursion machen. Wir müssen eh am 19.3. nach Güstrow.
Na das muss sich ja machen lassen, schließlich hab ich auch schon mit dem Gedanken gespielt zur Ausstellung nach Güstrow zu fahren!
Sehr gut, dann packen wir Dich auf dem Weg ein und machen vorher alle einen halben Tag »The Great Hamburg Illustrators Explorer«.
Wie das zeitlich hinhauen soll bei mind. 6h Zugfahrt von SB nach HH musst Du mir mal noch genauer erklären.
Und ne Exkursion unter dem Titel machen wir lieber Ende des Jahres, denn ich will mir da ich für September ja vermutlich ein neues Atelier brauche, in den nächsten Monaten möglichst viel anschauen und die Leute kennenlernen.
Naja, ich weiss nicht, wie die Girls aus SB sich das bisher gedacht hatten, vielleicht wollen die auch nach Rostock fliegen, aber aus Bonn geht die schnellste Zugverbindung über Hamburg.
Und dann könnte man einen Tag früher zu fahren, Mittags/Nachmittags da sein, Museum anschauen oder so was, Abends mit berühmten Illustratoren um die Ecke gehen und am nächsten Morgen vielleicht noch was anderes anschauen und schon sitzen wir wieder im Zug nach Güstrow, der dann nur noch ca. 2:15 dauert.